Agility - wie es bei mir begann
1990 war ich gemeinsam mit René auf einer Welthundausstellung in Bünn (CZ). Dort sahen wir eine Vorführung (oder war es was Echtes?) im Agility. Und bei diesem Anblick beschloss ich: "wenn ich denn dann einmal irgendwann einen Hund haben werde, wird er DIESEN Sport mit mir machen".
Doch an einen Hund war damals noch nicht zu denken. Mit Wochenendhunden und den Diensthunden aus Renés Wach- und Schließgesellschaft vertrieben wir uns damals die Samstage und Sonntage. Doch für richtige Ausbildung war das alles nicht das Richtige.
Als ich dann im Prüfungssemester 1994 am Ende des Studiums faul genug war um einige Prüfungen im darauffolgenden Semester noch einmal machen zu dürfen, hatte ich genügend Zeit für ein Hündchen und so fuhren wir eines Sonntags nach Berlin Lankwitz, wo René Purzel fand. (Die Langversion dieser Geschichte findet ihr unter "Purzel" ;)
Ja, und dann landete ich ziemlich zeitnah beim HSV Knauthain e.V. wo ich mich am Turnierhundsport probierte und zahlreiche Begleithundprüfungen ablegte. (Auch da kann man Ehrgeiz entwickeln. Noch heute arbeite ich daran die einmaligen 56 Punkte, die ich mit Purzelchen 1995 erzielte zu überbieten.)
Doch früher oder später wollte ich mir meinen Traum vom Agility erfüllen. Die Zeit kam 1996 als wir auf der CACIB in Leipzig an der Agilityvorführung teilnehmen durften. Dort konnte ich bei unserer Isabell das Feuer einwenig entfachen und sie setzte alles daran einen Parcours für unseren Verein zu organisieren.
Noch bevor der Parcours auf unserem Platz stand, startete ich mit Purzel bei unserem ersten Turnier im Spätherbst 1996 beim HSV Plänterwald. (Damals meldete ich nur für den A Lauf, weil ich nicht wusste, was "Jumping" bedeutet und Angst hatte mich zu blamieren ;)
Aus heutiger Sicht, war das was ich dort bieten konnte - und mit Sicherheit auch noch das was ich in den nächsten Jahren bot - einfach nur gruselig und hatte mit Agility noch nicht viel zu tun. Doch selbst ist die Frau, vor allem, wenn sie einen sportlich engagierten Mann zur Seite hat... Und so abeiteten wir uns langsam vorwärts, besuchten ab und zu auch mal ein Seminar und lernten ansonsten viel auf Turnieren, bei denen wir mal mehr und mal weniger gut aussahen.
1998 wurde Purzel im A1 mini Nordseesieger in Sandstedt. Unser erster größerer Erfolg. In der A2 liefen wir eine ewig lange Zeit, bis es dann doch irgendwann einmal mit dem Aufstieg in die 3 klappte. Dort qualifizierten wir uns auch das eine oder andere Mal für die einen oder anderen deutschen Meisterschaften. Doch ich ob ich jemals die Nerven habe werde zu großen Turnieren großartig zu führen...?
meine Agility Hunde
Purzel
Als Purzel 4,5 Jahre alt war, startete ich mit ihm erstmals auf einem Agilityturnier. Er war der perfekte Hund für eine Anfängerin wie mich 1995. Das überschaubare Temperament und der Wille, es mir wirklich Recht machen zu wollen, erleichterten mir das Lernen mit ihm ungemein.
Im fortgeschrittenen Alter jedoch, bekam er manchmal seltsame Anwandelungen. So erinnere ich mich an ein Turnier beim SV Reinickendorf, bei welchem er urplötzlich im Parcours einen "Rappel" bekam und wie ein angestochenes Wildschwein zwischen den Geräten hindurch rauschte, bellte und seine ganze Lebensfreude nach außen tragen musste.
Oder die eine SGSV Meisterschaft, bei der er am Balkenabgang plötzlich nicht weiter lief, sondern auf dem drunter durchgelegten Tunnel entlang balancierte.
Ja, unvergesslich mein Purzelchen!
Arco
Arco, den wir als Halbwüchsigen zu uns nahmen, war unser zweiter Agilltyhund. Naja UNSER deshalb, weil ich die Ausbildung (Begleithundprüfung und Agility) übernahm, dann aber feststellte, dass ich meine Vorstellung von solidem Arbeiten mit ihm nicht umsetzen konnte. Das heißt auf gut deutsch: der Hund war mir einfach zu flott unterwegs. - Oder ich war zu langsam...
Aber zum Glück, gab es ja noch meine bessere Hälfte, die auf dem Parcours mit Arco besser klar kam.
Carry
Nach Arcos viel zu kurzem Leben eroberte Carry Renés Herz. Und ganz der Tradition folgend, wollte ich sie ausbilden und dann René überlassen. allerdings erwies sich ihre Vergangenheit als hartnäckiger als erwartet.
Es gab Phasen im Sport, wo sie richtig gut war. Aber je länger sie im Turniergeschehen stand desto schwerer war sie zu motivieren. Und so wechselten wir uns zwar immer mal ab um die Enttäuschung zu teilen. Nach ihrem zweiten Aufstieg in die A3 entschlossen wir uns jedoch es dabei bewenden zu lassen.
Ami
Mein Schauzerle. DER Schnauzer aller Schnauzer. Ein Traum von vertrauensseeligem Hund. Im Agility war er oft nur durch meinen persönlichen höchst engagierten Laufeinsatz zu ordentlichen Zeiten zu bewegen aber dennoch ist er Legende.
Keiner meiner Hunde traute sich im Park die Elefantenrutsche von oben direkt in meine Arme zu rutschen - außer Ami. Kein Hund befolgte das Kommando "hop" ins Auto so perfekt wie Ami - auch gegen die geschlossene Kofferraumklappe (weil es eigentlich zur Tür hinein gehen sollte). Und keiner außer ihm flitzte mitten im sommerlichen Turnier auf den nächstgelegenen Schattenplatz im Parcours und wartete dort, bis ich ihn abholte.
Danke Isabell, dass er in seinen letzten Jahren nicht nur auf dem Parcours und an den Wochenenden MEIN Schnauzer war!
Kiwi
Ja, Kiwi passte ganz gut als Nachfolgerin für mein Schnauzerlein. Aber da sie nicht nur Sporthund sondern auch fabelhafte Mama bei Isabell ist und ich außerdem mit meinem Terrierlein zu kämpfen habe, ist leider nicht genügend Zeit da, ihr beispielsweise einen passablen Slalom beizubringen. Und so entschied ich nach dem Aufstieg in die A2 das Arbeiten mit ihr aufzugeben.
Mit nur sieben Jahren musste Isabell mein kleines Ki-vieh leider in den Hundehimmel entlassen. Ganz schnell und ohne Vorwarnung...wer hätte das gedacht. Grüß mir mein Purzelchen und den Ami liebe Kiwi. Ich drück dich ganz lieb.
Vielen Dank Isabell.
Daisy
Als mein Purzelchen mit 16 Jahren in Agilityrente ging und Matthias mit seiner Dienne in die A3 aufstieg, gelang es uns ihn davon zu überzeugen, dass es doch äußerst ungünstig wäre mit zwei Hunden solch unterschiedlichen Temperaments in derselben Prüfungsklasse zu laufen.
Kurzum er gestattete mir Daisy in der A3 zu führen. Und es machte mir riesigen Spaß. Sie konnte alles das, was ich vergeblich versucht hatte meinem Purzel beizubringen und war immer lautstark mit Feuereifer bei der Sache.
Allerdings geht natürlich auch die Zeit nicht spurlos an einem Cocker Spaniel vorbei und so läuft die "dicke Daisy" seit 2009 bei den Senioren und lebt seit 2010 bei uns im "Seniorenstift".
HannaH
Ob wir es jemals zum Agilityteam bringen werden?
das Richteramt
Nachdem sich das Agility in unserem Verein merklich entwickelt hatte, stand eines Tages die OfA des Verbandes auf unserer Matte und wies darauf hin, dass Leistungsrichter gebraucht würden. Nach einigen Überlegungen entschlossen sich drei SportlerInnen dem Ruf der OfA zu folgen.
Und nun verbringe ich seit 2004 ein paar meiner Wochenenden damit anderen beim Laufen zu zuschauen. Manchmal wird man dabei noch die eigenen Anfangs- aber auch Endzeiten mit dem ersten Hund erinnert. Deswegen sind die Anfänger und Seniorenklasse auch die Parcoure, denen ich mit größter Freude folge. Die Teams hier sind oft frei von Qualifikationszwängen und laufen häufig einfach nur (noch) um dem Hund Freude an der Arbeit zu vermitteln.
Purzel 1991-2009